Installationen und temporäre Interventionen

PARADISE SUPREME – Paradies finden oder erfinden? Katalog
Mit Text von Dorotheé Baer-Bogenschütz ‚Abschied vom Holozän – In PARADISE SUPREME verhandelt Merja Herzog-Hellstén die prekäre Stofflichkeit‘ 
AEHETTRA Katalog

Ausschnitt aus einem Gespräch zwischen Dorotheé Baer-Bogenschütz (DBB), KUNSTZEITUNG und Merja Herzog-Hellstén (MHH)

DBB: Warum ist die Installation für Sie so wichtig bzw. das zentrale Medium?
MHH: Die Installation bietet mir einen real existierenden Raum für konzeptuell multiperspektivische und -sensorische Annäherungen. Die auch für thematisch komplexe Umsetzungen geeignet ist.

Neben der 3-Dimensionalität, öffnet sich in der Installation zusätzlich durch die Besucherbewegung im Raum (zentral für mich) die zeitliche Dimension, die wiederum als menschliches Bindeglied das Leben als ganzes und den ausgesucht visualisierten Inhalt verbindet.
Darüber hinaus interessiert mich die Möglichkeit nicht-lineare Kommunikationsräume für den Dialog zwischen den visuellen Formen und den Besuchern zu schaffen.

Obwohl oder gerade weil Menschen im allgemeinen betrachtungsperspektivisch dazu tendieren bodenverankert zu rezipieren, rege ich eine erweiterte räumliche Wahrnehmung an, die über die menschliche Körper- oder Bodenverbundenheit hinausgeht.

Als ‚Raum-Komponistin’ öffnet sich mir dabei die Arbeitssituation einer betretbaren Sphäre, in der körperlich-geistige Vorstellungen und Anregungen vielfältig arrangiert werden können und zeitgleich durch die realen Besucher im Raum ein Bezug zum Hier und Jetzt ermöglicht wird. Die Beteiligung des multisensorisch stimulierten Betrachters ist dabei verschiedengradig wesentlich. Eine visuelle Realisation gänzlich ohne menschliche Beteiligung oder deren Berücksichtigung betrachtete ich entsprechend als unvollendet.

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DBB: Warum zeigen Künstler –  Ihrer persönlichen Einschätzung davon –  überhaupt so gerne Installationen?
MHH:
Es ist die wohl vermeintlich unendlich große Menge der Kombinationsmöglichkeiten und das vielschichtige Instrumentarium, die die Einschränkung zunächst minimiert. Der Reichtum an räumlichen und inhaltlichen Spannungsverhältnissen, die dadurch aktiviert werden können, schafft eine immaterielle Atmosphäre, die durch die Präsenz von Künstler und Besucher nachgespürt werden kann. Eine Erweiterung oder Ausdehnung der sonstigen Realität findet statt.
Kurzum die Sehnsucht nach dem Bedarf an vielseitigen Wechselwirkungen bleibt eine treibende Kraft.

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VIDEO (5 s.) CIRCUIT über die temporäre Intervention, Maschinenhalle Museum Groß-Auheim, Hanau