KONZEPT 2006 - 2007

    

Fiktive oder reale menschliche Erscheinungsbilder als inter- oder transrhythmische geschöpfe.
Merja Herzog-Hellstén

Die BIOGRAMME sind Teil der Ausstellung INTERVALLISCHES FEHLEN, dessen Titel sich auf das rhythmische Erscheinungsbild des Andernacher Geysirs bezieht und gleichsam den kern des konzeptes für die Arbeiten, die für diese Ausstellung angefertigt wurden, definiert. In einem binären System, bestehend aus der regelmäßigen Abfolge von "sich Sammeln" - "Sprühen" verläuft und existiert der Geysir. Vorausgesetzt, er folgt seinem eigenen natürlichen Rhythmus ohne äußere Einflüsse.

 

Monumentales Geschehen, das Aufmerksamkeit auf sich lenkt und menschliches Leben in Beziehung zu sich stellt.

 

 

Mein mich seit vielen Jahren begleitendes (Über-)Thema „KÜNSTLERISCHE KARTIERUNGEN*“ inspirierte mich dazu, die intervallischen Verhaltensmuster fiktiver Personen näher zu betrachten, weshalb der rhythmische Verlauf eines Menschenlebens in diesem Projekt im Vordergrund steht. Der Begriff „Lebenslauf“, welcher differenziert (Lauf-)Tempo, Richtung, Intensität und Dauer beschreibt, unterteilt den menschlichen Lebensrhythmus in mehr als zwei der Geysir-Kategorien, aber auf vergleichbare Art und Weise.

 

Inwieweit kann ein individueller Rhythmus angesichts psycho-physischer Ganzheit erhalten bleiben? Angenommen, wir würden ein isoliertes Dasein führen wie der naturbelassene Geysir, welche rhythmischen Merkmale würden wir dann tragen und welche wären von zentraler Bedeutung? Etwa individuelle Eigenschaften wie

 

Schrittlänge, Schrittgeschwindigkeit, Ausdauer, Puls, Länge und Intensität der Atemzüge, Biorhythmus, eventuelles Vorhandensein von Prothesen oder sonstigen Bewegungshilfen/die Körperfunktion regulierenden Geräten...

 

Was die geistige Beweglichkeit betrifft, stellt sich die Frage, ob eine Art „Normalität“ vorherrscht oder ob diese durch veränderte Umstände beeinflusst wird. Welche Variationen bringen verschiedene Charakterzüge hervor? Ermöglichen unsere Tätigkeiten (noch) einen Eigenrhythmus und — falls ja — welche Rolle spielt dieser dann? Ab wann initiieren Rhythmen

 

Da wir als Menschen meistens unter dem Einfluss von weiteren Rhythmen stehen und diesen teilweise sogar ausgeliefert sind — unter anderem hervorgerufen durch gesellschaftliche Systeme** —, entstehen schnell komplexe, ineinander verflochtene, rhythmische Erscheinungsbilder zwischen Mensch und Gesellschaft. Plötzlich stehen wir da als „inter- oder transrhythmische Geschöpfe“ mit unseren individuell orchestrierten Lebensrhythmen.

 

Hierauf, auf diesen komplexen Systemeinfluss auf das rhythmische Leben eines Menschen, in Gegenüberstellung zum Rhythmus des Geysirs, habe ich einen Blick geworfen.

 

*Entstehung einer Linie und dessen Entmaterialisierung durch Licht bei KARTIERUNG der Weinberge, 2002/ ZEITKARTIERUNGEN zur Ausstellung FLUECHTIG, 2005

**Arbeitszeit (geregelte, gleitende, neue, saisonale), Stechkarte, geregelte Pausen, Urlaub, Arbeitslosigkeit, Rückkehr ins Arbeitsleben, Rente, Fortbildung, Ausbildung, Studium, Umzüge, Fahrplanänderungen, geänderte Öffnungszeiten, Umleitungen, neue Bewegungsmittel, institutionalisierte Regelungen zur Lebensführung, Kommunikationsrhythmen durch Sprache, ein Abonnement, kulturelle Routinen oder sporadische Tätigkeiten...

 

2007, (Biogramm-Variationen), Ausstellung medley3, Galerie Holzburg, Schrecksbach:

 

2007, o.T. (Biogramm-Variationen), Lack auf Metall, 4 Stück, je 40 x 50 cm.

2007, o.T. (Biogramm-Variationen), Graphit auf Papier, montiert auf Pappe, 6 (+2) St.,
je 70 x 70 cm.

2007, o.T. (Biogramm-Variationen), Lack auf Metall, Antik-Weiß auf weiße Metallplatte, 60 x 80 cm.
(rechts oben sowie direkt unten)

 

           2007, o.T. (Biogramm-Variationen),
                                                                        Lack auf Metall, 2 (+1) Stück, je 40 x 50 cm.